Drei Masken des Verrats
Sturla Holm Laegreid sollen seine mittlerweile zwei Bronze Medaillen vergönnt sein. Die Rede ist hier von einem Biathlon-Athleten, der in den vergangenen Tagen nicht nur mit seinen athletischen Leistungen während der Olympischen Winterspiele Schlagzeilen machte. Vor aller Weltöffentlichkeit legte er zuletzt auch noch das Geständnis ab seine Partnerin betrogen zu haben. Diese hatte zwar davor schon davon erfahren und die Beziehung auch gleich beendet. Heute frage ich mich allerdings, warum er das dann nochmals vor der Kamera getan hat?
Die anhaltende Berichterstattung dazu hatte mich in den letzten Tagen ein wenig irritiert. Rein astrologisch betrachtet, haben wir aktuell keine signifikanten Kontakte, die üblicherweise mit Themen des Verrats und des Liebesbetrugs assoziiert werden könnten. Dann fiel mir ein, dass diese Geschichte eine Botschaft des aktuellen Archetyp des Monats (Februar 2026) sein könnte, der das Thema der Maske trägt.
Auf die Frage, welche spirituelle Lektion das Kollektiv aus dieser Geschichte ziehen kann, zeigten sich mir in der nachfolgenden Legung zwei wichtige Löwe-Indikatoren an. Einerseits ist mit der “Stärke” eine archetypische Energie dargestellt, wobei der "Ritter der Stäbe” hingegen auch mit dem Tierkreiszeichen des Löwen in Verbindung gebracht werden kann, weil es sich dabei ebenso um eine maskuline Energie handelt. Der Ritter der Stäbe ist geübt in der Behauptung seiner Stärke und damit auch seiner Selbst.
Immerhin geht es hier um die Wahrung seines Gesichts und die Wahrung seiner Würde und die Konfrontation mit seinen schlimmsten Albträumen (“Der Mond”) könnte ihn selbst zum Albtraum für seine Mitmenschen machen, wobei ich den “Mond” auch als einen Weg der Initiation lese, der das Ziel hat die eigene Persönlichkeit nach innen und nach außen zu stählern, statt Medaillen zu sammeln. Sportlicher Wettkampf ist gut und wichtig, aber darum geht es hier nicht wirklich - oder insgeheim vielleicht auch doch?
Charlie Mustero/Sick Sad Girls (2018). Moon Power Tarot
Sein Geständnis ließ jedenfalls nicht nur für meine Augen und Ohren einen schrägen Unterton mitschwingen. Der Instagram-Account “myvoicemychoiceorg” verkündete dazu das folgende Statement:
“[C]heating is already a betrayal. But turning it into a public confession without your partner’s consent? That’s not romantic. That’s toxic.”
Ich muss diesem Statement leider zustimmen, wobei man beim Begriff des Toxischen im Zusammenhang mit anderen Menschen meiner Meinung nach auch immer vorsichtig sein sollte.
via Instagram
Klar, man könnte zunächst einmal sagen, dass es mutig war (Die Stärke) sich vor die Kamera zu stellen und vielleicht auch im Sinne eines Akts der Verzweiflung (Der Mond) und in der Hoffnung auf Wiedergutmachung so zu handeln (Ritter der Stäbe). Was dieser junge Mann aber nicht mitbedacht hat ist, wie weit das Land der Seele (Der Mond) tatsächlich reicht und dass wir als Menschen oftmals unbewusste Handlungen setzen, die eine viel tiefschichtigere Motivlage offenbaren und damit sichtbar machen können.
Mit kurzem Blick in sein Geburtshoroskop habe ich nämlich ein Sonne-Pluto Thema gesehen, das beispielsweise auch eine Tendenz zur Selbstbestrafung nahe legt (1). Vielleicht ging es ihm selbst nicht einmal um den Wunsch und die Hoffnung etwas wieder gut zu machen. Vielleicht handelte er aus dem durchaus auch egoistischen Motiv (Ritter der Stäbe) heraus die Kontrolle über die Situation zurück zu erlangen (die Stärke), indem er sich in aller Öffentlichkeit selbst an den Pranger stellt, sich also selbst bestraft und demütigt, um sein Leben wieder ruhigeren Gewissens fortsetzen zu können?
Eine zweite These könnte lauten, dass der Beziehungsabbruch eine narzisstische Kränkung hervorgerufen hat, die er durch eine Inszenierung des reuevollen Fremdgängers ausgleichen wollte und damit gleichzeitig auch die Grundlage für alle zukünftigen Gespräche mit der Phrase schuf: “Was willst Du denn noch von mir? Ich habe mich sogar vor alle Welt gestellt und meinen Fehler zugegeben!”
Eine dritte These, die ich mit dieser Legung lese, sehe ich in einer Fragestellung, die er sich vermutlich selbst erst in Zukunft beantworten können wird. Oftmals ist es nämlich so, dass uns destruktive Impulse (Stärke/Ritter der Stäbe) aus dem Unbewussten (Der Mond) dazu verleiten können Dinge zu tun, zu dessen Einsicht und Erkenntnis sich unser Ego, d.h. unser Bewusstsein, einfach noch nicht durchgedrungen hat.
Anders gesagt: Vielleicht hatte er auch einfach noch nicht den Mut eine Beziehung zu beenden, die er ohnehin nicht mehr weiterführen wollte. Das Fremdgehen lieferte ihm, wenn auch einen unmoralischen Grund zum Preis öffentlicher Herabwürdigung, den er aber immer noch lieber zu zahlen bereit war, als sich selbst einzugestehen jemand zu sein, der er nicht ist - der liebende Partner, der seine Partnerin niemals betrügen würde. Wolfgang Schmidbauer (2020, 98) schreibt dazu in seinem Buch “Die heimliche Liebe”:
“Die Gefahr ist meist keine äußere, denn der Partner oder die Partnerin haben noch am Abend beteuert, dass sie bleiben wollen, das bewusste Ich wollte es glauben und hat sich entspannen können. Im Schlaf, zu jener späten Nacht- oder frühen Morgenstunde, in der die Abwehrstrukturen am verwundbarsten sind, tauchen aus dem Unbewussten Bilder von Wut und Zerstörung auf, die sogleich heftige Ängste wecken. Die Panik der Verlassenheit entsteht nicht durch die Drohung, dass mich meine Liebste/mein Liebster verlässt, die mich bisher vor Einsamkeit schützten. Sie entsteht durch eine vorbewusste Reaktion auf unbewusste Zerstörungslust, auf kannibalische Wut, auf Othello-Reaktion: zu morden, was man liebt und wovon man sich verraten glaubt, es zu erwürgen und im krampfhaften Festhalten für immer zu verlieren, aber auch allen anderen vorzuenthalten und sich schließlich im Tod wieder mit ihm zu vereinen. Die Begegnung mit diesem eigenen unterdrückten Impuls zur Zerstörung ist es , die uns nicht mehr einschlafen lässt.”
Fremdgehen ist also ein äußerst komplexes Thema. Betrug, Verrat und Eifersucht gehören in diesen Themenkomplex mit dazu. Sie gehören alle dem Reich des Mondes und der Nacht an, die mit dem Versprechen auf einen neuen Tag, ein neues Leben und damit auch ein neues Ich einen äußerst langen Schatten auf unser aller Leben wirft.
Anmerkungen:
(1) Nicht jeder Mensch mit einem Sonne-Pluto Thema im Geburtshoroskop hat die Tendenz zur Selbstbestrafung. Archetypische Themen sind multivalent, d.h. sie sind mehrdeutig und lassen mehrere Interpretationsmöglichkeiten zu.
Quellen:
Entertainment Tonight (11.02.2026). Olympian Confesses to Cheating on Girlfriend in Emotional Post-Win Interview, via: Youtube.com
Philipp O’Connor (11.02.2026). Norway's Laegreid lashed for love-cheat admission, apologises to team-mate, via: Reuters.com
Wolfgang Schmidbauer (2020). Die heimliche Liebe. Ausrutscher, Seitensprung, Doppelleben, 8. Auflage, Reinbek bei Hamburg.
Martin Zips (11.02.2026). Sex-Beichte in Kantholz. Zwischen Reue und Fremdscham, via: Süddeutsche.de
Der Tagesspiegel (13.02.2026). Erneute Bronzemedaille für den Norweger, online.
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